Mobilität: Auch mit dem Rolli ist beim Verreisen kaum mehr etwas unmöglich. Nützliche Tipps und Ansprechpartner für Urlauber, die im Rollstuhl sitzen.
Ob Studienreise in Ecuador, Ayurveda in Sri Lanka oder Atlantiküberquerung auf der Queen Mary 2: Die Angebotspalette auf dem Reisemarkt für Touristen mit Handicap wird immer vielfältiger. Denn Rollifahrer wollen reisen. Laut einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technik geben Menschen mit Behinderungen über 1,5 Milliarden Euro im Tagestourismus und rund 1,6 Milliarden Euro allein für Übernachtungen aus. Hier ein kleiner Wegweiser zu barrierefreien Urlaubstagen in der Ferne.
Auf der Suche nach dem richtigen Ziel ist ein Reisebüro die beste Anlaufstelle. Hier können die Reiseexperten aus den Katalogen der Reiseveranstalter das geeignete Angebot heraussuchen und nützliche Hinweise und Tipps für ihre Reise geben. Neben den Großveranstaltern gibt es zahlreiche Spezialanbieter, die ebenfalls im Reisebüro buchbar sind. Vielfach werden von diesen Spezialisten die Reisen sogar nach den jeweiligen individuellen Bedürfnissen maßgeschneidert zusammengestellt. Dabei ist es wichtig, dass Rollstuhlfahrer konkret schildern, welche Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen sie an eine Reise haben. Dazu gehört auch die Angabe, welche Unterstützung oder welche Voraussetzungen vorhanden sein müssen, um einen möglichst problemlosen Urlaub zu genießen. Der Reiseberater kann beim Veranstalter spezielle Hilfestellungen beantragen.
Die Deutsche Bahn bietet eine eigene Broschüre mit dem Titel "Mobil mit Handicap" an.
Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung oder sonstigen Handicaps bekommen zum Beispiel
nach vorheriger Anmeldung Unterstützung beim Ein-, Um- oder Aussteigen an insgesamt 250
Bahnhöfen. In dem Heft finden sich auch Hinweise zu zahlreichen Vergünstigungen bei
Reisen mit der Bahn. Viele Fluggesellschaften haben ebenfalls umfangreiche
Informationen zusammengestellt, um behinderte Passagiere zu betreuen. Meist werden
Rollstühle ohne Aufpreis befördert oder es stehen unentgeltlich spezielle Rollstühle
zur Verfügung.
Die Sonderreservierungen können über das Reisebüro vorgenommen werden. Um die
Abfertigung beim Check-in zu beschleunigen, bieten zahlreiche Fluggesellschaften einen
Ausweis ("Fremec- Card" -Frequent- Traveller- Medical- Card) an, in dem die speziellen
Bedürfnisse des mobilitätseingeschränkten Reisenden verzeichnet sind.
Die Mehrzahl der Raststätten an deutschen, österreichischen und Schweizer Autobahnen
verfügt über rollstuhlgerechte Zugänge, Toiletten, Parkplätze und Telefone. Mit dem
sogenannten Euro-Toilettenschlüzentrale@bsk-ev.dessel kann man mehrere Tausend behindertengerechte WCs in
Europa öffnen. Dieser kann gegen die Vorlage des Behindertenausweises beim CBF Darmstadt
(Club Behinderter und ihrer Freunde) angefordert werden. Detaillierte Informationen für
eine vorausschauende Planung auf deutschen Autobahnen gibt es auf der Internetseite
www.tank.rast.de/
Als Pionier für Behindertenreisen gilt der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter
(BSK). Bereits seit 1965 bietet der BSK Reiseservice Gruppen- und Individualtouren an.
Das Angebot reicht von der geselligen Gruppenreise (zum Beispiel nach Teneriffa,
Madeira, Türkei und Südafrika) bis hin zum Segeltörn.
Ebenfalls langjährige Erfahrung mit barrierefreien Urlaubsangeboten hat Franz Geiss von
Mare Nostrum in Stuttgart gesammelt. Die erste Reise ging 1984 nach
Griechenland - damals hatte er noch erhebliche Schwierigkeiten zu meistern. Heute
bietet Geiss Badeferien und Studienreisen rund ums Mittelmeer, aber auch nach
Australien, Neuseeland, Indien und Sri Lanka.
Bus- und Flugreisen nach Rügen, London, Paris, Rom und Sizilien stehen unter anderem
auf dem Programm der Reiseagentur Carsten Müller in Berlin.
Vom erholsamen Familienurlaub bis hin zum Abenteuerurlaub reicht die Palette bei
Grabo-Tours. Auch hier werden für Rollifahrer ausgefallene Urlaubsträume wie die
Kombireise Ecuador und Galapagos, die Südafrika-Rundreise oder die Kreuzfahrt auf der
Queen Mary 2 wahr.
Novum auf La Palma: Die kleine grüne Kanareninsel La Palma ist seit vergangenem Jahr
die neue Heimat von Christine und Bernhard Götzl. Das Ehepaar aus Oberbayern ermöglicht
es Rollstuhlfahrern, die grüne Insel zu erkunden und im Atlantik zu baden. In eigens
entwickelten Roll-Trage-Stühlen trägt das Paar Behinderte durch die grünen Wälder
La Palmas oder bringt sie mit Rollstühlen mit besonders dicken Reifen an den Strand.
Schließlich gilt: Nichts ist unmöglich! Auch nicht für behinderte Menschen auf Reisen.
Bundesministerium für Wirtschaft und Technik, Scharnhorststr. 34-37,11019 Berlin, Tel. 030/18615-0, Fax 18615-7010, Internet: www.bmwi.de/
Bezug des Euro-Toilettenschlüssel zu einigen tausend Behinderten-Toiletten europaweit über: CBF Darmstadt, Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e.V., Pallaswiesenstr. 123a, 64293 Darmstadt, Tel. 06151/8122-0, Fax 8122-81, E-Mail: info@cbf-darmstadt.de; Internet: www.cbf-da.de, Preis für den Schlüssel und das Toilettenverzeichnis "Locus" 18 Euro gegen Vorlage des Behindertenausweises.
Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK), Altkrautheimer Str. 20, 74238 Krautheim, 06294/4281-0, E-Mail: zentrale@bsk-ev.de, Internet: www.bsk-ev.de .
Mare Nostrum, Am Schnarrenberg, 70376 Stuttgart, 0711/2858200, E-Mail: info@mare-nostrum.de, Internet: www.mare-nostrum.de
Reiseagentur Carsten Müller, Straße 6 Nr. 116,13059 Berlin, 030/9244035, E-Mail: firma@reise-agentur-c-mueller.de, Internet:www.reiseagentur-c-mueller.de
Grabo-Tours-Reisen, Renn weiter Str. 5, 66903 Ohmbach, 06386/ 7744, E-Mail: info@grabo-tours.de, Internet: www.grabo-tours.de
Bernado, Christine und Bernhard Götzl, La Verada 20b, Puntallana/ Tenagua, Santa Cruz de la Palma, 0034/922/430985, E-Mail: b.goetzl@yahoo.de, Internet: www.bernado-sinbarreras.com/
Quelle: Augsburger Allgemeine vom 15.8.2008