Gesundheit
- Erwachsenen ADHS und Borderline
Wandlung mit den Jahren
Das Beschwerdebild bleibt nicht in jeder Alterstufe gleich, sondern wandelt sich mit dem Alter. Überaktivität und Impulsivität weichen oft einer allgemeinen Leistungs- und Konzentrationsschwäche. Fast alle erwachsenen ADHS-Patienten fühlen sich innerlich ruhelos und getrieben. Im Berufs- und im Privatleben erreichen sie oft nicht die Ziele, die sie sich ursprünglich gesteckt hatten. Viele leiden vor allem unter den sozialen Folgen von ADHS:
Schlechtere Ausbildung und Karriereverlauf, als es der Begabung entspricht Schwierigkeiten im Berufsleben mit häufigem Stellenwechsel Erhöhte Scheidungsrate Viele Wohnortwechsel, Umzüge Checkliste ADHS-Betroffene haben oft erhebliche Schwierigkeiten im Alltag. Beispiele sind:
Organisation/Denkstruktur
Fehlendes Zeitgefühl, Verspätungen und Hektik vor Terminen Langweilige Alltagsaufgaben werden auf die lange Bank geschoben oder gar nicht erledigt. Auffällige Unordnung oder Überkompensation durch zwanghaften Perfektionismus Desorganisation - vor allem, wenn mehrerer Aufgaben gleichzeitig anstehen Aufmerksamkeitsstörung
Unbeständiges Arbeiten mit unerklärlichen Einbrüchen Vergessen von Aufgabenteilen mit unvollständigen Arbeitsergebnissen Fehlende Aufmerksamkeit, besonders in Gruppensituationen Leseunlust aufgrund von Verständnisschwierigkeiten für den Gesamtinhalt Arbeitsgedächtnis
Vergesslichkeit, kann Erinnerungen nicht abrufen, z.B. "Ich weiß es, kann es aber nicht sagen." Flüchtigkeitsfehler, Verdrehen von Buchstaben und Telefonnummern Der Betroffene führt ständig Terminkalender, Karteikarten, Notizbücher und Zettel mit sich.
Gesteigerte Wahrnehmung
Sehr starke Empfindlichkeit für bestimmte Sinneseindrücke (z.B. Geruch, Geschmack, Geräusche), aber auch für atmosphärische Spannungen in allen zwischenmenschlichen Beziehungen Oft intuitiv begabt, kreativ und intelligent Stimmung und Leistung sind besonders stark von äußeren Faktoren abhängig Temperamentsausbrüche in jede Richtung Geringe Stress- und Frustrationstoleranz.
Übertriebenes Ruhebedürfnis bei Überforderung Probleme, sich auf neue Situationen einzustellen Andauerndes Grübeln, auch mit Einschlafstörungen Sucht- und Zwangsverhalten.
Viele zwanghafte Verhaltensmuster
Versuch, die Leistungsfähigkeit mit hohen Mengen Schokolade, Kaffee, Kola, Energydrinks und Nikotin zu steigern Manche "behandeln" ihre innere Anspannung mit Alkohol, Cannabis oder Kokain und verschlimmern die Situation noch mehr.
Hohe Impulsivität
Erst handeln, dann denken
Provokation anderer durch verbale Entgleisungen Erhöhte Unfallneigung Missachtung von Regeln, Gesetzen, Vorschriften Kann sich schlecht bremsen: Kaufrausch, riskantes Autofahren etc. Überaktivität/Unfähigkeit zur Entspannung.
Innere Ruhelosigkeit, körperlicher Bewegungsdrang (viel Sport) Kann nicht stillsitzen (z.B. beim Zahnarzt, Essen, im Flugzeug) Trommelt mit den Fingern, spielt mit Stiften, nestelt an sich herum Wippt im Sitzen mit den Füssen rhythmisch vor und zurück Starker Rededrang, Abschweifen vom Thema, schwer zu unterbrechen Langeweile in Ruhesituationen mit künstlicher Überaktivität Weibliche Besonderheiten Frauen leiden deutlich seltener als Männer unter ADHS und zeigen auch ein etwas anderes Beschwerdebild. Deshalb wird die Störung bei Frauen zu selten erkannt. Mädchen mit ADHS sind weniger hyperaktiv, sondern neigen zu langanhaltenden Tagträumereien und sind schnell ablenkbar. Ab dem Zeitpunkt der Pubertät treten besonders ausgeprägte Beschwerden vor der Menstruation mit starken Stimmungsschwankungen auf. Erwachsene Frauen fallen durch eine sehr selbstunsichere, ängstliche Persönlichkeit mit einer starken Neigung zu Depressionen auf.
Die Behandlung
Erwachsene mit der Diagnose ADHS müssen sich nicht unbedingt behandeln lassen. Ist die Störung allerdings sehr ausgeprägt und beeinträchtigt mehrere Lebensbereiche (Beruf, Freizeit, Paarbeziehungen), ist eine Kombination aus Medikamenten und Verhaltenstherapie sinnvoll.
Deutlicher als bei Kindern sprachen sich die Behandlungsleitlinien 2003 für die Behandlung mit Methylphenidat aus. Allerdings war damals Atomoxetin noch nicht auf dem Markt.
Nach heutigem Wissensstand lässt sich ADHS nicht heilen. Manchmal bilden sich die Störungen aber in höherem Alter teilweise zurück. Betroffene können Bewältigungsstrategien entwickeln, mit denen sie Alltag und Beruf erfolgreich meistern. Vor allem Schwierigkeiten mit der Arbeitsorganisation sowie der beruflichen und privaten Kommunikation sind gut verhaltenstherapeutisch behandelbar. Durch ein so genanntes Selbstinduktionstraining lernen ADHS-Patienten, wie sie ihr impulsives Verhalten in den Griff kriegen. Einzeln und in der Gruppe werden Verhaltensweisen eingeübt, die den Alltag mit den Kollegen, der Familie oder dem Partner verbessern.